Bericht: 1. Klasse St. Valentin 4 - Neuhofen 5
Bericht von Joost Meuwisssen
Am Samstag, dem 17. Januar, durften wir in die neue Saison starten – und das gleich auswärts beim Tabellenführer. Es war also von vornherein klar, dass es eine schwierige Aufgabe werden würde. Dennoch gingen wir mit einer positiven Einstellung in den Wettkampf in St. Valentin.
Auf Brett 1 spielte Hannes. Leider unterlief ihm in einer für ihn unbekannten Variante der Sizilianischen Verteidigung ein unglücklicher Zug. Dadurch verlor er nicht nur eine Figur, sondern musste die gesamte Partie mit einer gefesselten Figur und einem in der Mitte verbliebenen König spielen. Bewundernswert war sein großer Einsatz: Trotz der schlechten Stellung kämpfte er weiter, entwickelte Gegenspiel und gab nie auf. Mit einer Figur weniger blieb die Aufgabe jedoch sehr schwer, und schließlich musste er die Partie aufgeben. Es wäre sehr spannend gewesen zu sehen, wie sich die Partie ohne dieses Missgeschick in der Eröffnung entwickelt hätte.
Auf Brett 2 zeigte Raphael eine spektakuläre Partie. Er opferte einen Bauern, um mit einem schönen Springer-Zwischenschach auf d6 dem gegnerischen König das Rochaderecht zu nehmen. Die Stellung war äußerst spannend und bot viele Möglichkeiten. Laut Computeranalyse stand Weiß zeitweise sogar mit etwa +2 besser. Gleichzeitig war die Stellung jedoch sehr schwierig zu spielen: Welcher Plan war der richtige, und wie setzt man den Vorteil konkret um? Es entstand ein Endspiel mit jeweils zwei Türmen, einem Springer und mehreren Bauern. In dieser Phase erwiesen sich die Springer als stärker als die Türme. Raphael gewann zwar eine Qualität, doch der schwarze Springer beherrschte das Zentrum. Sein gewählter Plan war leider nicht der richtige: Schwarz bekam einen starken Freibauern, Weiß musste schließlich die Qualität zurückgeben, und das verbleibende Endspiel war nicht mehr zu halten.
Auf Brett 3 spielte Kilian eine sehr sichere und solide Partie. Die Stellung war lange Zeit sehr ausgeglichen. Die beiden schwarzen Springer auf der a- und h-Linie wirkten zwar etwas abseits vom Geschehen. Mit einer schönen Kombination konnte einer der Springer gut abgetauscht werden, der andere blieb schwach. Weiß nutzte dies konsequent aus und startete einen gefährlichen Bauern-Durchbruch. Da zusätzlich ein Grundlinienmatt drohte, war die Stellung für Schwarz nicht mehr zu halten, und die Partie ging verloren.
Auf Brett 4 spielte ich selbst. Wenn zwei Spieler in erster Linie auf Sicherheit bedacht sind und größere Risiken vermeiden, ist das Ergebnis meist vorhersehbar: eine sehr ausgeglichene Stellung. Zu einem Zeitpunkt dachte ich, einen kleinen Vorteil erzielen zu können, indem ich die offene c-Linie übernehme. Gleichzeitig hätte das Schwarz jedoch die Möglichkeit gegeben, einen Königsangriff zu starten. Da ich keine sichere Verteidigung sah, entschied ich mich für den vorsichtigen Weg und verzichtete auf die Kontrolle der c-Linie. Wir einigten uns schließlich auf Remis. Damit hatten wir zumindest einen halben Punkt gerettet und mussten nicht mit völlig leeren Händen die Heimreise antreten.
Die anschließende Analyse der Partien war sehr interessant. Auch die Spieler aus St. Valentin bestätigten, wie beeindruckt sie vom Spiel unserer jungen Spieler waren. Wenn man bedenkt, dass diese Saison vor allem dazu dient, Erfahrung zu sammeln, war dieser Nachmittag trotz der Niederlage sehr wertvoll. In der nächsten Runde spielen wir zu Hause wieder gegen St. Valentin – eine gute Gelegenheit, das gute Schachspiel auch in Ergebnisse umzusetzen.
